Lehrformate und Lernmittel im Fernstudium

Die Entwicklung von Lernformaten und Lernmitteln im Fernstudienumfeld wurde in den letzten Jahren stark durch allgemeine Trends im Bereich des E-Learning beeinflusst. Dominierten vor wenigen Jahren noch gedruckte Skripte und papierbasierte Übungshefte den Fernstudienalltag, so haben viele Fernhochschulen in den letzten fünf Jahren große Teile ihres Lernmaterials um digitale Lernmedien ergänzt.

Heute stellen fast alle Fernstudienanbieter Studienskripte und Übungshefte digital bereit und ermöglichen eine Kommunikation mit (Fach-)Personal über das Internet. In vielen Fällen wurde zudem ergänzendes Material für den E-Learning-Einsatz produziert und wurden Präsenzanteile der Studiengänge durch Onlineinhalte substituiert oder angereichert. Dies umfasst beispielsweise die Entwicklung von synchronen oder asynchronen Video-Vorlesungen, die Implementierung webbasierter Simulationen, das Bereitstellen von Online-Tests oder auch die Programmierung von Lernapps.


Mobile Endgeräte als Innovationstreiber

Getrieben wird diese Entwicklung nicht zuletzt durch die zunehmende Verbreitung mobiler Endgeräte und die Nutzung digitaler Dienste im Arbeits- und Privatleben der Fernstudierenden. So verfügen:

  • 95,5 % der Umfrageteilnehmer über einen Laptop,
  • 95,3 % über ein Smartphone,
  • 85,3 % über Tablet Computer,
  • 56,0% über MP3-Player sowie
  • 31,8 % über E-Book Reader

Die technische Ausstattung der Fernstudierenden liegt damit deutlich über dem der Durchschnittsbevölkerung und weist gegenüber der letzten Umfrage im Jahr 2014 neben einer nahezu vollständigen Abdeckung mit mobilen Computern und Smartphones auch eine weitere Zunahme bei der Verbreitung von Tablets auf.

Erstmalig wurde zudem die Verbreitung von Wearables (tragbare Kleinstcomputer in Form von z. B. Smartwatches, Activity Tracker oder intelligenter Kleidung) und von Augmented oder Virtual Reality Gadgets erfasst.

Seit der ersten Trendstudie im Jahr 2011 hat sich die technische Ausstattung von Fernstudierenden damit dramatisch verändert. Signifikant ist insbesondere das massive Wachstum im Bereich der Smartphones und Tablets und damit auch des mobilen Internets. Dadurch werden in Fernstudiengängen einerseits völlig neue Lernszenarien im Bereich des Mobile Learning und in der Kommunikation mit Studierenden denkbar. Gleichzeitig sind auch die Erwartungen der Studierenden an entsprechende (E-Learning) Angebote der Hochschulen deutlich gestiegen. Dies zeigt sich unter anderem bei der Frage, welche Elemente den Studierenden in ihrem Fernstudium besonders wichtig sind.


Digitales Lernen hat höchste Priorität

Obwohl der Klassiker im Fernstudium, das gedruckte Studienskript, sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut und nur eine Minderheit von 6,7 % dieses Format für „unwichtig“ hält, spielen Online-Angebote und multimediale Lernmedien in der Zwischenzeit eine enorme Rolle.

So geben 99,1 % der Befragten an, dass ihnen ein Online Campus (zum Beispiel für Klausuranmeldungen, Einsicht in Studienpläne und Noten oder zur Kommunikation mit Lehrkräften und Kommilitonen) sehr wichtig oder eher wichtig sei. 93,6 % sagen dies von aufgezeichneten Online-Vorlesungen und Online-Selbsttests, 88,2 % von digitalen Studienbriefen (und sei es in der einfachsten Form als PDF) und 81,2 % von Online-Vorlesungen und -tutorien in Form von Videokonferenzen oder Webinaren. Sogar E-Klausuren werden von 73,7 % der Umfrageteilnehmer als sehr wichtig oder eher wichtig bewertet und liegen damit noch vor gedruckten Studienskripten mit 73,3 %.


Erwartungen an E-Learning werden nur teilweise erfüllt

Generell haben die Umfrageteilnehmer damit einen hohen Anspruch an die digitalen Lehrangebote ihrer Hochschulen und in einigen Bereichen klaffen dieser Anspruch und die vorhandenen Angebote gravierend auseinander.

Dies betrifft neben technisch anspruchsvollen Lösungen wie E-Klausuren (57,4 Prozentpunkte Differenz), der Bereitstellung von Lern-Apps (42,1 Prozentpunkte Differenz) oder der Optimierung digitaler Studienbriefe für mobile Endgeräte (33,2 Prozentpunkte Differenz) auch relativ simple Lösungen wie die Bereitstellung von Klausursammlungen (36,8 Prozentpunkte Differenz) oder einfachen Online-Tests (14,5 Prozentpunkte Differenz).

Trotzdem ist die Zufriedenheit der Umfrageteilnehmer mit den E-Learning Angeboten der Hochschulen insgesamt hoch. Über ein Viertel der Befragten (28,1 %) ist sehr zufrieden mit dem Angebot, weitere 53,3 % sind überwiegend zufrieden. Lediglich 3,5 % wiederum äußern sich sehr unzufrieden.


Nutzung technischer Geräte im Fernstudium

Bezüglich des Nutzungsverhaltens der Studierenden bei Lernmitteln haben sich gegenüber der letzten Trendstudie Fernstudium keine gravierenden Änderungen ergeben: Lernen findet im Jahr 2016 primär auf mobilen Computern und Tablets statt.

97,8 % der Umfrageteilnehmer gaben an, einen Laptop für ihr Fernstudium zu nutzen bzw. nutzen zu wollen, ebenso 90 % einen Tablet Computer. Andere technische Geräte werden deutlich seltener eingesetzt.

So nutzen nur 51,6 % der Fernstudierenden ihr Smartphone zum Lernen. Dies bedeutet zwar eine kontinuierliche Steigerung der Akzeptanz über die letzten Jahre, einen Durchbruch stellt dieser Wert jedoch nicht dar. Das dürfte auch mit der inzwischen starken Verbreitung von Tablets zusammenhängen. Mit ihnen ist das mobile Lernen deutlich komfortabler als auf einem relativ kleinen Handydisplay. Gleichzeitig erfordert ein didaktisch sinnvoller Einsatz von Handys in Mobile Learning Strategien (zum Beispiel die Konzentration von Lerninhalten in Learning Nuggets) einen großen Aufwand seitens der Hochschulen mit der Folge eines sehr überschaubaren Angebots. Trotzdem bieten Smartphones nach Einschätzung der Autoren großes Potenzial für den Einsatz in Fernstudienprogrammen, sei es in Form von Rapid Testing Szenarien, Sprachlern-Apps oder digitalen Karteikarten.

Andere Gerätetypen sind für das Fernstudium weitgehend bedeutungslos. So können sich nur 34 % der Teilnehmer wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich vorstellen, E-Book Reader im Fernstudium einzusetzen, bei MP3 Playern sind es sogar nur 16,5 %. Auch dies lässt sich durch die starke Verbreitung von Tablet PCs und Smartphones erklären. So wird die Funktion von MP3 Playern in den meisten Fällen bereits durch (leistungsfähigere) Mobiltelefone abgedeckt. Im Falle der E-Book Reader sind zum einen ein größerer Funktionsumfang von Tablets (zum Beispiel für das Bearbeiten von Texten) und zum anderen die schlechte Verfügbarkeit entsprechender E-Books zentrale Gründe dafür, die Geräte im Studium nur eingeschränkt zu nutzen.


Zur Relevanz von Virtual und Augmented Reality

Erstmalig wurde in der Umfrage in diesem Jahr zudem die Bereitschaft abgefragt, Augmented/Virtual Reality Tools und Wearables für das Fernstudium zu nutzen. Beiden Technologien wurde in den letzten Jahren eine steile Karriere im Bildungssektor vorhergesagt, die sich indes noch nicht in der Akzeptanz der Fernstudierenden widerspiegelt.

Aktuell können sich nur 19,8 % der Umfrageteilnehmer vorstellen, Augmented/Virtual Reality Tools im Fernstudium einzusetzen, bei Wearables sind es sogar nur 11,1 %.

Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch ein Rückblick auf die Trendstudie Fernstudium 2011. Damals gaben lediglich ein knappes Drittel aller Fernstudierenden an, dass sie sich vorstellen könnten einen Tablet Computer im Studium einzusetzen. In der Gruppe der Fernstudierenden, die bereits damals über ein Tablet verfügten (<10 % der Umfrageteilnehmer), war dieser Wert aber mehr als doppelt so hoch. Mit zunehmender Verbreitung von Tablets stieg in der Folge auch die Akzeptanz für die Nutzung der Geräte im Fernstudium.

Ähnliches lässt sich in diesem Jahr bei Augmented/Virtual Reality Tools feststellen. In der kleinen Gruppe, die bereits über entsprechende Geräte verfügt, können sich 55,3 % vorstellen, diese auch zum Lernen zu benutzen (also fast dreimal mehr als in der Gesamtgruppe der Teilnehmer). In dem Maße wie sich entsprechende Technologien verbreiten, wird nach Einschätzung der Autoren auch die Akzeptanz für einen Einsatz von Virtual Reality und Augmented Reality im Fernstudium zunehmen.

Für Wearables ist eine ähnliche Tendenz erkennbar, auch hier liegt die Bereitschaft für die Nutzung zu Lernzwecken bei Besitzern entsprechender Gadgets signifikant über dem der Gesamtheit. Sie ist allerdings weniger stark ausgeprägt, sodass sich nur ein Drittel (33,5 %) der Besitzer von Wearables auch eine Nutzung im Rahmen von Lernszenarien vorstellen können. Wearables werden also voraussichtlich keinen ähnlich intensiven Einsatz in Fernstudienszenarien erfahren wie Virtual Reality Anwendungen.


Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Ansprüche an die Verfügbarkeit und Bereitstellung von Lernmittel im Fernstudium in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Die Existenz eines leistungsfähigen Online-Campus wird heute ebenso selbstverständlich vorausgesetzt wie die Verfügbarkeit digitaler Skripte und videobasierter Lehrinhalte.

Fernstudienanbieter sind zudem dazu angehalten, ihre technische Infrastruktur und Medienangebote an die Ansprüche der Studierenden anzupassen. Dies betrifft zum Beispiel die Entwicklung oder Bereitstellung von Lern-Apps, Simulationen und Online-Prüfungen, aber auch die Optimierung digitaler Studienbriefe für mobile Endgeräte und eine bessere Vernetzung der Fernstudierenden untereinander.