Einleitung

Im Jahr 2016 sind in Deutschland knapp 160.000 Studierende in Fernstudiengängen eingeschrieben. Größter Anbieter am Markt ist - mit weitem Abstand - die Fernuniversität Hagen mit über 69.000 Studierenden. Sie stellt somit nicht nur die einzige staatliche Fernuniversität Deutschlands, sondern gleichzeitig auch die größte Hochschule der Bundesrepublik dar. Der Fernuniversität Hagen folgen in der TOP 5 der Fernstudienanbieter die Hamburger Fernhochschule (ca. 10.500 Studierende), die Internationale Hochschule Bad Honnef - Bonn (ca. 8.200 Studierende), die Europäische Fernhochschule Hamburg (ca. 7.300 Studierende) und die Wilhelm Büchner Hochschule (ca. 6.500 Studierende); allesamt private, staatlich anerkannte Hochschulen ohne Promotionsrecht.

Betriebswirtschaftliche Studiengänge bzw. fachspezifische Studienangebote mit betriebswirtschaftlichen Vertiefungen stellen den Löwenanteil der Fernstudienangebote dar. Ebenfalls stark nachgefragt sind Weiterbildungsmöglichkeiten im Gesundheitsbereich, sozial- und geisteswissenschaftliche Studiengänge, mathematisch-naturwissenschaftliche Abschlüsse (mit einem starken Fokus auf die Ingenieurswissenschaften und Informatik) sowie rechtswissenschaftliche Inhalte.

Mit einem jährlichen Wachstum von knapp 7 % CAGR stellt der Fernstudiensektor einen der am stärksten wachsenden Bereiche des deutschen Bildungsmarkts dar. Neben den bis mindestens 2025 steigenden Studierendenzahlen, die einen erheblichen Druck auf die Kapazitäten der Präsenzuniversitäten und -fachhochschulen ausüben und den Zugang zu Präsenzstudiengängen erschweren, lassen mehrere (bereits in der letzten Trendstudie Fernstudium prognostizierte) Entwicklungen einen weiterhin positiven Wachstumstrend für den Fernstudienmarkt erwarten:

Lebenslanges Lernen

Die durch technologische sowie soziale Entwicklungen getriebene Beschleunigung des Arbeits- und Bildungsmarktes führt bei Arbeitgebern wie Arbeitnehmern zu einem erhöhten Weiterbildungsbedarf. Dabei ist eine weiterhin hohe Bereitschaft zu formalisierter berufsbegleitender Weiterqualifizierung festzustellen, auch bzw. gerade im Rahmen von (berufsbegleitenden) Fernstudiengängen.

Erweiterte Hochschulzugangsberechtigungen

Der Zugang zu Hochschulstudiengängen für Personen ohne (Fach-)Abitur wurde in den letzten Jahren erheblich vereinfacht. Diese Personengruppen streben aus wirtschaftlichen und persönlichen Gründen meist nicht an, ein mehrjähriges Präsenzstudium zu absolvieren. Gerade Fernstudienangebote erfreuen sich hier aber großer Beliebtheit und die Teilnehmerzahlen an entsprechenden Programmen haben sich über die letzten Jahre vervierfacht, ein Trend der auch weiter anhalten dürfte.

Hohe Übergangsquote in Masterstudiengänge

Eines der zentralen Ziele der Bologna-Hochschulreformen war es, den Bachelor auch in Deutschland als ersten berufsqualifizierenden Studienabschluss zu etablieren. Obwohl dies in einigen Fächern durchaus geglückt ist, streben fast 80 % aller Bachelor-Absolventen ein zusätzliches Masterstudium an. In vielen Fällen erfolgt dies unmittelbar im Anschluss an das Erststudium, etwa 20 % der Absolventen nehmen ein Studium aber zu einem späteren Zeitpunkt auf.[7] Dabei bevorzugen sie berufsbegleitende Studiengänge oder Fernstudienangebote.

In diesem Spannungsfeld haben Fernstudienprogramme aufgrund ihrer räumlichen und zeitlichen Flexibilität große Potenziale, sich zu einer zentralen Säule der universitären Ausbildung bzw. beruflichen Weiterbildung zu entwickeln. In Ansätzen ist dies heute bereits der Fall und Absolventen von Fernstudienprogrammen werden in der Wirtschaft sehr geschätzt.

Die steigenden Teilnehmerzahlen an Fernstudienprogrammen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das klassische Präsenzstudium in Vollzeit weiterhin als „etablierter Standard“ der Hochschulausbildung betrachtet wird und Fernstudierende gerade einmal 5,8 % der Gesamtstudierenden ausmachen. Daran haben auch die inzwischen zehn Jahre alten Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz nichts geändert, „für berufstätige Studierende besondere Studienangebote mit der Möglichkeit, akademische Abschlüsse zu erwerben, (zu) entwickeln."

Vor diesem Hintergrund untersucht die dritte Auflage der „Trendstudie Fernstudium“ in diesem Jahr erneut die Entwicklungen im Bereich des deutschsprachigen Fernstudienmarktes. Unter anderem werden:

  • Charakteristika in der Teilnehmerstruktur von Fernstudienprogrammen vorgestellt,
  • Motive für die Teilnahme an Fernstudienprogrammen benannt,
  • die Erwartungshaltung von Fernstudierenden an die Inhalte und Betreuungsleistungen ihrer Studiengänge beschrieben,
  • Trends und Entwicklungen bei Lehrformaten und dem Lernmitteleinsatz aufgezeigt,
  • die Unterstützung durch Arbeitgeber bei Fernstudienprogrammen thematisiert und schließlich
  • der finanzielle Nutzen eines Fernstudiums für Fernstudierende analysiert.